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perm-vac-if-this-is-house
House ist wieder da, das hat dank Dixon’s Innervisions inzwischen wohl jeder mitbekommen. Permanent Vacation war bisher zwar eher Disko, stand aber auch schon immer genug zwischen den Stühlen, um auch vor vollblütigem House nicht zurückzuschrecken. Auf If This Is House I Want My Money Back haben nun die Köpfe des Münchner Labels Benjamin Fröhlich und Tom Bioly 10 aktuelle Tracks zusammengestellt, denen alle eine gewisse erdige Definition von House gemein ist und die dabei gleichermassen frisch wie auch traditionsbewusst sind. Die Spanne reicht von sehnsüchtiger Zeitlupendisko, wie „Mc Lovin“ vom 6th Borough Project oder John Talabots „Naomi“, über eher wave-igen Discofunk von Walter Jones oder Mugwump bis hin zu veritablen Tanzflurhits wie Precious System’s „The Voice From Planet Love“ im Dixon Edit. Hunee lässt dann auch noch Jack in’s House („Standin’ High“), und ein weiteres echtes Highlight ist der von Compost lizensierte John Talabot Remix von Zwicker’s „Oddity“, der sich nie so ganz zwischen Disko, Dub und Wave entscheiden kann und vielleicht gerade deshalb das beste Statement zum Thema abgibt: house, house and more f***ing house. SD

(aus Groove No. 121)

dixon-ts2
Dixon gehört seit jeher zur Speerspitze der House DJ’s. Seine Sets – im Club genauso wie auf Tonträgern, wie z.B. der tollen Off Limits-Reihe – schaffen es immer wieder, ein selten gehörtes Gefühl für Deepness mit handfestesten Mixskills in einen konsequent rockenden Flow zu gießen. Während der Grenzbereich zwischen traditionellem Mixing und Live-Set seit geraumer Zeit durch interaktivere Derivate aufgeweicht wird, lotet Dixon auf Temporary Secretary nun genau diese Grauzone aus und lässt Tracks nicht nur geschmeidig ineinander fliessen, sondern treibt die Konvergenz auf die Spitze, indem er aus verschiedenen Stücken gleich gänzlich neue Hybride bastelt und dabei den Ursprungswerken zu ganz neuem Glanz verhilft. Dass zum Beispiel Precious System („The Voice from Planet Love“) so perfekt mit Ben Klock („In a While“) harmoniert und in einem ganz originär synergetischen Monster aufgeht, hätte man so vorher vielleicht nicht unbedingt gedacht. Die Tracks sind mit Ame („Setsa“, „Tube Beat“), Fever Ray („If I had a Heart“), Junior Boys oder auch Butane so geschmackssicher wie abwechslungsreich und werden in Dixons Set auf Hochglanz poliert. Ein toller und fantastisch deeper Mix, der mit gewohnt sattem Sound auch unten rum immer einen angenehm wohligen Druck entfaltet. Wäre ich eine Track, würde ich wohl nur noch von Dixon durch den Mixer gejagt werden wollen. Ganz gross. SD

(aus Groove No. 121)

kings452

Daß sich Erlend Øye und Eirik Eirik Bøe wieder für ein weiteres Album zusammenfinden, ist vielleicht eine der besten musikalischen Überraschungen dieses Jahres. Viel war geschehen seit sie mit den großartigen Vorgängern „Quite is the new Loud“ und „Riot on an empty Street“ für Furore sorgten und weltweit die Herzen aller Großstadtromantiker im Sturm eroberten. Nicht zuletzt schien Erlend in den letzten Jahren mehr als aufzugehen in seiner Sause durch die Berliner Clubs inklusive gelegentlicher DJ- oder Acapella-Einlagen und natürlich den beiden hervorragenden The Whitest Boy Alive-Alben inklusive der entsprechenden Tourneen. Da erschienen die kleinen Kammermusikperlen der Kings Of Convenience weit weg. Nicht zuletzt deswegen freut es mich nun umso mehr, daß Erlend inzwischen wieder im norwegischen Bergen wohnt, sich zusammen mit Eirik auf die gemeinsamen Wurzeln besinnt und beide nun auf Declaration of Dependence wieder einfach nur wunderschönen und federleichten Akkustikpop machen. Eine Platte, die einen mit ihren gewohnt charmanten, sparsam instrumentierten und immer leicht swingenden Songs in den Arm schliesst wie ein alter Freund. Das ist Musik, die so ohne jegliche Ironie und bar jeden Zynismus’ daherkommt und gerade deswegen einfach nur schön und mehr als notwendig ist. Danke Erlend und Eirik. Der Herbst ist gerettet. SD

(aus Groove No. 121)

quantec

Sven Schienhammer hat sich mit seinen Quantec-Releases in ziemlich kurzer Zeit einen festen Platz im Dubtechno-Universum erspielt und mit Veröffentlichungen auf Styrax, Quitus oder Meanwhile sein traditionsbewusstes Verständnis von Dubtechno ausdefiniert. Nach seinem Erstlingsalbum Unusual Signals folgt mit Cauldron Subsidence nun auf Echocord der Nachfolger, der mit wunderbar wattierten Chords und reduzierten Grooves ganz tief mit beiden Beinen im Dubtechno der Basic Channel-Ära steht, diesen aber auf seine ganz eigene Weise mit Prescription-artiger Deepness paart. Die Reise reicht von zeitlos verhallten Soundscapes („Plateau“) über Rhythm & Sound-esken Dub („Pandemonium“) bis hin zu kristallin rockenden Dubtechnotracks („Deep Rooted“, „Obstacles“) die häufig durch eingestreute Vocalsamples an Struktur gewinnen. Quantec’s Tracks sind dabei aber immer ganz weit weg vom sterilen Minimalfunktionalismus der letzten Jahre und atmen jeder für sich pure Technogeschichte. Cauldron Subsidence ist damit vielleicht das schönste Kompliment das man Maurizio und Chez Damier heute noch machen kann. SD

(aus Groove No. 121)

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Raz Ohara & The Odd Orchestra überraschen mit ihrem zweiten Album für Get Physical auf dem sie dieses mal wesentlich sommerlicher und luftiger daherkommen als noch auf dem wunderbar schmachtenden Vorgänger. Neben dem Gitarristen Tom Krimi ist der grandiose Oliver Doerell – bekannt und hoch geschätzt für seine Taten als SWOD oder Dictaphone – wieder mit von der Partie, um gemeinsam charmant unaufgeregte Kleinode aus Folk, Soul, Jazz und elektronischer Spielfreude entstehen zu lassen, die es sich irgendwo in der Grauzone zwischen Improvisation und Songwriting bequem machen. Klar, Raz’ Stimme bildet nach wie vor den Fixpunkt aber gänzlich ohne dabei das Fundament aus schüchternen Beats, Gitarre und Streichern zu überstrahlen. Während das Album, schlicht II betitelt, mal überraschend funky und poppig – wie zum Beispiel bei dem tollen „The Burning (Desire)“ – mal verspielt experimentell daherkommt – wie bei dem improvisiert jazzigen „Kingdom“ – zeichnet doch alle Stücke eine ungewohnt entspannte Leichtigkeit aus mit der mich das Album aus dem Stand um den Finger gewickelt hat. Vielleicht nicht zuletzt deswegen ist II ein ausgesprochen gelungenes und reifes Album, das auch noch mit jedem Hören an Strahlkraft zu gewinnen scheint. SD

(aus Groove No. 121)

modernlove

Aus Manchester kommen mit den Modern Love Katalognummern 056 und 057 gleich zwei neue Releases. Miles Whittaker alias MLZ macht den Anfang mit einer vergleichsweise kantigen Platte für Modern Love. „One Cycle“ stampft furztrocken in bester Rob Hood-Manier und ist dabei minimal wie maximal zu gleich. Ausserdem steuert Whittaker noch einen Remix für den ominösen DJ Ghosthunter bei („Experiment 3“), der mit seinen distorted Slomo Breakbeats und erlösenden Deep House Chords schwer an Theo Parrish erinnert. Mit der Chadderton EP gibt es ausserdem auch mal wieder Neues von Mark Stewart alias Claro Intelecto. „Chadderton“ ist ein trocken rollender Housetrack mit mäandernden Chords, während „Great Day“ gekonnt sein Heil in der grandiosen Ambientgeste sucht. Absolutes Highlight ist für mich aber „Above“, das sich mit seinen Oldschoolsounds und stetig nach vorne drückenden Chords zielstrebig als echtes Peaktimemonster positioniert. SD

(aus Groove No. 121)

mandy

Get Physical – der Name ist Programm, und das nun schon seit sieben Jahren und weit über 100 Releases, mit deren punktgenauer Funktionalität das Label die Clubs dieser Welt im Sturm genommen hat. Nachdem es – soweit ich weiss – keine Geburtstagsausgabe zum Sechsten gab, dürfen Mit-Labelbetreiber M.A.N.D.Y. nun auf die letzten drei Jahre zurückblicken und zum gehobenen Disko-Workout präzise wie ein Schweizer Uhrwerk 24 Tracks durch den Mixer jagen. Neben Überhits wie Patrice Bäumel’s „Roar“ oder Booka Shade’s „Duke“ finden sich auch zwei Exklusivtracks: M.A.N.D.Y. und Alexkid remixen „Neverending“ von Damian Lazarus und Dakar beschert uns seelige Vocoder-Disko mit „I’ve Got That Feeling“ in der Saxed Up Version. Das rockt alles in jedem Fall par excellence, lässt einen manchmal aber auch sehnsüchtig auf etwas mehr Ecken und Kanten, Schmutz und Rohheit hoffen. Erfrischend eigenwillige Tracks, wie das old-schoolige „To The Gum“ von Riton vs Heidi oder das tatsächlich sehr bemerkenswerte Dave Brubeck-Cover „Take Five“ von Jona brechen da äusserst angenehm durch die hochprofessionalisierte Clubfunktionalität und verleihen dem tighten Mix die nötige Charakterstärke. Glückwunsch die Herren und auf die nächsten sieben Jahre. SD

(aus Groove No. 120)

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Carl Craig, fraglos einer der einflussreichsten Köpfe der elektronischen Musik, hat das Kunststück geschafft, schon immer weit über den Tellerrand von Detroit Techno zu schauen – ob mit seiner jüngeren Moritz von Oswald-Kollaboration oder eben mit dem bereits 1992 gegründeten Innerzone Orchestra – und trotzdem weiterhin einen amtlichen Floorfiller nach dem anderen rauszuhauen. The Innerzone Orchestra standen jeher für das Einreißen von Genregrenzen und für das Konzert im Auditorium Parco della Musica in Rom hat Craig einige Musiker auf die Bühne geholt, die daran schon länger mitwirken, wie zum Beispiel den Sun Ra Drummer Francesco Mora oder den grandiosen Francesco Tristano. Letzterer begeistert mit seinen Pianoexperimenten sowohl Konzertsäle als auch Clubgänger und hat mit seiner famosen „Strings of Life“-Interpretation bereits seine Affinität zu Detroit Techno unter Beweis gestellt. Tristanos enthusiastisches Klavierspiel verleiht dem Auftritt auch genau jene Energie, die nötig ist, um der dräuenden Jazzdaddelfalle zu entgehen und der Sprengkraft einiger der Ursprungswerke gerecht zu werden, was ihn für mich auch absolut zu Recht zum geheimen Star der Show macht. Da verwundert es nicht weiter, daß neben den erwarteten Craig/Innerzone Orchestra-Klassikern – „Bug in the Bass Bin“ oder „At Less“ – mit „The Melody“ auch ein Stück von Tristano’s Debütalbum vertreten ist. Leider ist die DVD mit 47 Minuten einfach zu kurz, um sowohl Platz für spannende Interviews als auch für wirklich aussagekräftige Konzertimpressionen zu haben. Waehrend also Craig etwas aus dem Nähkästchen seiner Detroitanfaenge räsoniert und die Bandmitglieder ein paar Eindrücke ueber die Kollaboration mit dem Impressario vermitteln, kommt leider der Musikgenuss etwas zu kurz, was der DVD etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Für eine echte Doku fehlt der Tiefgang, für einen Konzertmitschnitt fehlt die Musik. So bleibt eine trotzdem sehenswerte DVD, die eher als Einstieg in das Innerzone Orchestra-Universum funktioniert und Lust macht auf mehr. SD

(aus Groove No. 119)

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Trentemøller ist momentan wohl einer der umtriebigsten Produzenten und Remixer und hat mit seinem wunderschönen Beitrag zur BBC Essential Reihe auch bewiesen, dass er auch ein hervorragendes Händchen für geschmackssichere DJ-Mixes hat. Während die Produktionen des Dänen aber eher mit wuchtig durchproduzierten Rave-Gassenhauern und epochalem Breitwandpop überzeugen, schlagen seine Sets gerne auch mal etwas abseitigere und bescheidnere Töne an. Und erzählen dabei kongenial von der musikalischen Sozialisation des Anders Trentemøller. So erklärt sich der Produzent durch seine DJ-Mixes und verzaubert auch auf Harbour Boat Trips mit einer wunderbar eklektischen Zusammenstellung, die mit so unterschiedlichen Acts wie Gravenhurst, Soft Cell, Khan, Emiliana Torrini oder Suicide eine absolut stimmige Geschichte erzählt, bei der DJ-Skills eher zweitrangig sind und vor allem die narrativen Fähigkeiten zählen. Trentemøller’s Produktionen und Sets zeichnen sich meist durch eine, an New Order oder The Cure, erinnernde Patina subtiler Darkness aus, die sich auch durch Harbour Boat Trips zieht. Da verwundert auch das vertretene Joy Division-Cover („She’s Lost Control“) von The Raveonettes/Trentemøller nicht wirklich. Auch wenn besagter Track nicht unbedingt an das Original herankommt, ist Trentemøller hier einer der schönsten Mixe des Jahres gelungen, der definitiv mehr als eine Reise wert ist. SD

(aus Groove No. 119)

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DJ /Rupture’s Mixes, wie zum Beispiel Gold Teeth Thief, gehören definitiv zum Facettenreichsten was innerhalb des begrenzten zeitlichen Rahmens einer silbernen Scheibe machbar ist. Da kann höchstens noch Diplo in Punkto Farbenfreude mithalten. Doch während bei Letzterem der Party-Imperativ im Vordergrund zu stehen scheint, geht es auf Uproot eher um einen deepen Fluss, der sich dem gemeinsamen Thema Dub von allen Seiten her nähert. DJ /Rupture verschränkt hier in einem äussert tighten Mix upbeatigeren Dubstep von z.B. Shackleton oder Scuba mit eher roots-igeren Stücken, einer Portion World (hat jemand einen besseren Begriff?), NYC Illbient und Tracks, die man fast im Post-Punk verorten möchte. Da verwundert es auch nicht mehr, dass sich selbst Streicherdramatik vob Ekkehard Ehlers’ („Plays John Cassavetes Pt. 2“) geschmeidig und nahtlos in den Mix einfügt. Ich muss gestehen, dass ich mit derartiger Vielfalt am Stück normalerweise etwas überfordert bin, aber DJ /Rupture gelingt das Kunststück, alles in einen derart homogenen und tiefen Fluss zu packen, dass man Brüche einfach nicht mehr als solche wahrnimmt. Gross! SD

(aus Groove No. 119)

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