Enron – The Smartest Guys in the Room

Enron war mal einer der groessten und hoechstdotierten Unternehmen der Welt. Ich denke, einige werden sich vielleicht noch an den Skandal um das Energieunternehmen erinnern, das Ende 2001 mit lautem Knall platzte und dabei tausende Anteilseigner und Mitarbeiter mit in den Abgrund gerissen hat. Das war ganz grosses Kino, Kapitalismus pur und eine grandiose Allegorie fuer die Prinzipien freier Marktwirtschaft, wie es sich Autoren nicht haetten besser ausdenken koennen. Mit „Enron – The Smartest Guys in the Room“ hat sich Alex Gibney an einer dokumentarischen Aufarbeitung der Geschehnisse versucht, die in deutschen Kinos leider weigehend untergegangen ist, und in der er Enrons Geschichte detailgetreu nachzeichnet. Eine Geschichte, die symbolisch fuer Aufstieg und Fall vieler boersennotierten Unternehmen stehen kann, die sich vom allgemeinen Goldrausch des Boersenhypes der spaeten Neunziger haben mitreissen lassen. Und letztlich den Boersenwert des Unternehmens und das dadurch angespuelte Kapital ueber reale Werte, Geschaeftsmodelle oder Umsaetze gestellt haben. Unternehmen also, deren Machthaber schnell erkannt haben, dass der Wert ihrer Unternehmensanteile nicht von realen Einnahmen, sondern vom Aktienwert bestimmt wird. Und eben dieser ist ausschliesslich vom Glauben an das Unternehmen abhaengig, so dass die Aufgabe am Ende einzig und allein darin bestand, bei potentiellen Anlegern Glaube an das Unternehmen zu generieren. Das Unternehmen und dessen Wert zu predigen. Image ist alles. Alles andere nichts. Und Enron verstand sich darin hervorragend, Anleger, Medien und Banken zu manipulieren. Sofern sie nicht von selbst mitspielten, wie dies in vielen Faellen ausgiebig passierte. Profitieren doch von umfangreichen Transaktionen am Wertpapiermarkt nicht zuletzt auch die Banken. Manipulation und Selbstdarstellung ging und geht aber vor allem auch bis in die Geschaeftsberichte – ergo die Bilanzen eines Unternehmens. Und auch hier ging Enron beispielhaft voran und kooperierte kongenial mit den Rechnungspruefern von Arthur Andersen, die nicht zuletzt auch eine gewichtige Rolle in der WorldCom-Pleite gespielt haben und am Ende natuerlich von all dem nichts gewusst haben. Sich aber im Anschluss doch lieber in Luft aufgeloest haben.

Gibneys Doku zeichnet mit viel Sarkasmus die Machenschaften eines weltumspannenden Konzerns und dessen Machthabern nach, die in ihrer ganzen Tragweite wohl noch nie so in den Medien praesentiert wurden. Oder ist bisher etwa an die breite Oeffentlichkeit gedrungen, dass Enron – um einen Anstieg der Energiepreise zu forcieren – bewusst Stromausfaelle in Kalifornien forciert hat, die aber in hiesigen Medien als Versagen des amerikanischen Stromnetzes gefeiert wurden?

Wie auch immer, es ist ein Heidenspass, den unglaublichen Machenschaften der Enron-Boys zuzuschauen, auch wenn natuerlich immer auch die Erkenntnis im Raum steht, dass all dies bittere Realitaet war und ist. Und dass am Ende immer auch irgendwer fuer die Habgier zahlen muss. Ein Muss fuer alle Kapitalismuskritiker und solche die es werden wollen.

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3 Kommentare zu „Enron – The Smartest Guys in the Room

  1. Seit wann heißt denn Arthur Andersen Accenture? Meines Wissens haben die beiden seit 1989 nichts mehr miteinander zu tun. Accenture hieß vorher Andersen Consulting. Arthur Andersen heißt nun Bearing Point.

  2. Hi Georg, danke fuer den Hinweis. Du hast insofern Recht, als dass Accenture der neue Name von Andersen Consulting und nicht von Arthur Andersen ist. Wikipedia weiss mal wieder alles: http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Andersen.

    Zumindest aber firmierten Arthur Andersen und Andersen Consulting einstmals unter gemeinsamen Holding, aus der sich Andersen Consulting dann 2000 verabschiedet hat und daher auch den Namen in Accenture aenderte. Wohin die verschiedenen Geschaeftsbereiche von Arthur Andersen nach der Enronpleite allerdings genau gegangen sind, scheint schwer nachvollziehbar. Und auch Bearing Point – primaer eine KPMG-Geschichte – scheint nur einen kleinen Teil zu beherbergen.

    Wikipedia sagt zum Thema Accenture u.a.: „Historisch ist Accenture am 1. Januar 2001 durch Namenswechsel aus der (als Schwesterunternehmung der nach dem Enron-Bilanzfälschungsskandal aufgelösten Arthur Andersen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) 1989 gegründeten Unternehmensberatung Andersen Consulting nach einer über 10-jährigen Trennungsphase hervorgegangen.“

    Wie auch immer, alles eine verdammt undurchsichtige Bruehe, wuerde ich sagen…

  3. Halte das für mehr als deutlich ;-). Trennung der Rechtsgeschäfte zu 1989. Neuer Name zu 2001, Bindefrist erlischte 1999. Mit dem Enron-Bankrott hat Accenture nullinger zu tun.

    Soweit mir bekannt, war unter Arthur Andersen nur die Wirtschaftsprüfung beherbergt. Die ist komplett mit KPMG zu Bearing Point verschmolzen.

    In diesem Sinne!

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