Carl Craig & the Innerzone Orchestra – Live in Rome (Slam Jam)

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Carl Craig, fraglos einer der einflussreichsten Köpfe der elektronischen Musik, hat das Kunststück geschafft, schon immer weit über den Tellerrand von Detroit Techno zu schauen – ob mit seiner jüngeren Moritz von Oswald-Kollaboration oder eben mit dem bereits 1992 gegründeten Innerzone Orchestra – und trotzdem weiterhin einen amtlichen Floorfiller nach dem anderen rauszuhauen. The Innerzone Orchestra standen jeher für das Einreißen von Genregrenzen und für das Konzert im Auditorium Parco della Musica in Rom hat Craig einige Musiker auf die Bühne geholt, die daran schon länger mitwirken, wie zum Beispiel den Sun Ra Drummer Francesco Mora oder den grandiosen Francesco Tristano. Letzterer begeistert mit seinen Pianoexperimenten sowohl Konzertsäle als auch Clubgänger und hat mit seiner famosen „Strings of Life“-Interpretation bereits seine Affinität zu Detroit Techno unter Beweis gestellt. Tristanos enthusiastisches Klavierspiel verleiht dem Auftritt auch genau jene Energie, die nötig ist, um der dräuenden Jazzdaddelfalle zu entgehen und der Sprengkraft einiger der Ursprungswerke gerecht zu werden, was ihn für mich auch absolut zu Recht zum geheimen Star der Show macht. Da verwundert es nicht weiter, daß neben den erwarteten Craig/Innerzone Orchestra-Klassikern – „Bug in the Bass Bin“ oder „At Less“ – mit „The Melody“ auch ein Stück von Tristano’s Debütalbum vertreten ist. Leider ist die DVD mit 47 Minuten einfach zu kurz, um sowohl Platz für spannende Interviews als auch für wirklich aussagekräftige Konzertimpressionen zu haben. Waehrend also Craig etwas aus dem Nähkästchen seiner Detroitanfaenge räsoniert und die Bandmitglieder ein paar Eindrücke ueber die Kollaboration mit dem Impressario vermitteln, kommt leider der Musikgenuss etwas zu kurz, was der DVD etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Für eine echte Doku fehlt der Tiefgang, für einen Konzertmitschnitt fehlt die Musik. So bleibt eine trotzdem sehenswerte DVD, die eher als Einstieg in das Innerzone Orchestra-Universum funktioniert und Lust macht auf mehr. SD

(aus Groove No. 119)

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