Bocca Grande – „Little Pianist“ (Rebirth)

Mit dem Piano in den Club, das hat man in der letzten Zeit dann doch schon öfter gesehen. Während Tristanos oder Von Oswald‘sche Ansätze, Klassik und Elektronik zu vereinen, sehr virtuos und experimentierfreudig daherkommen in ihrem Versuch Elektronik, Rhythmik und Pianosounds miteinander zu verschmelzen und die Grenzen dabei komplett aufzulösen, akzeptieren aber Bocca Grande einfach, daß Piano und Rhythmussektion, ob nun organisch oder akkustisch, ganz für sich stehen. Und so versucht das japanische Duo, bestehend aus Kousuke Ishida aka DJ Trio und Yuka Kobayashi am Piano, gar nicht erst, an diesem Umstand zu rütteln. Muss man ja auch gar nicht. Sogar mehr noch als bei Tristanos Aufgang-Projekt, ist hier Clubmusik mit klassischer Instrumentierung eben genau das was es ist, nicht mehr und nicht weniger. Und das geht bei einem tollen Debüt-Album wie Little Pianist auch vollkommen okay so. Bocca Grande’s Ansatz scheint dabei zugleich vielseitiger als auch direkter im Club angesiedelt und schafft es sogar, barocke Bach-ismen mit trockenen Beats auf eine Weise zu verheiraten, die sich immer noch als reduziert und minimalistisch bezeichnen lässt, wie z.B. bei „Abend“. Vollmundiger Breitwandepen sind aber genauso ihre Stärke und zwar auf eine Weise, die selbst in ihren Michael Nyman-eskesten Momenten nicht in schmonzigen Kitsch abgleitet, wie schon das wunderbare „Procedere 2011“ bewies, das bereits als Vorabrelease und mit einem feinen Morgan Geist-Remix versehen für Aufmerksamkeit sorgte. SD

(aus Groove No. 132)

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