Burnt Friedman – „Bokoboko“ (Nonplace)

„Bokoboko“ ist japanisch und bedeutet unter anderem „uneben“, womit sich der rein Rhythmus-getriebene Kraut-Funk von Burnt Friedmanns neuestem Werk auch recht gut umschreiben lässt. Bernd Friedmann hat schon lange niemandem mehr etwas zu beweisen, seine Projekte wie Flanger, Drome oder seine Kollaboration mit Can’s Jaki Liebezeit haben sich stets fernab der musikalischen Trends in ihren ganz eigenen Sphären bewegt und leben von Dub-, Kraut- und Postrock- oder Downbeat-Einflüssen die vor allem immer eine ganz eigene, gerne auch etwas schrullige Erdigkeit auszeichnet. Was sich übrigens selbst von Friedmanns vollständig elektronischen Kollaboration, mit zum Beispiel Atom Heart/Uwe Schmidt (als Flanger), sagen lässt. Die zehn ausschließlich instrumentalen Tracks des Albums leben vor allem von Rhythmus und Groove, erzeugt durch allerlei Schlagwerk, wie z.B. Steel Drums, Gongs, diverse Holz- und Metallpercussions, und den Gastmusikern, die man schon von früheren Friedmann Projekten kennt, wie zum Beispiel Hayden Chisholm oder Joseph Suchy. Friedmann baut dabei eine krautige Grundstimmung auf, die mehr denn je an psychedelisch fließenden Krautrock Marke Can erinnert, aber in den funky stolpernden Momenten durchaus auch mal nach einer handgemachten Jutebeutel-Ausgabe von Flying Lotus klingt. Bokoboko ist dabei genauso charakterfest, anti-opportun und unaufgeregt zeitlos wie man es von Friedmann erwartet. SD
Wer, wie die Iranerin Leila Arab, bereits mit Björk gearbeitet, Aphex Twin-Cover und drei eigene Alben produziert hat, der muss musikalisch niemandem mehr etwas beweisen. Nach zahlreichen VÖs auf Rephlex oder XL Recordings, findet sich U & I wie auch bereits ihr drittes Album „Blood Looms and Blooms“ bei Warp Records in bester Gesellschaft. Dieses Mal ist bezeichnenderweise Mt Sims mit von der Partie, der ja nicht zuletzt für seinen dunklen Post-EBM-Pop auf Gigolo bekannt ist und dem Album eine ungewohnte, dunklere Note auf den Weg gibt, die wieder mehr in Richtung 80’er schaut und irgendwo zwischen Lo-Fi Synth-Sinfonien, EBM-iger Maschinenhaftigkeit und poppig eingängigen Hooks liegt. Da bleibt von Leila’s Trademark-Sound vor allem der Hang zur zaudernd verhuschten Schemenhaftigkeit, die hier aber mit ganz direkten Beats und flirrenden Melodien zu einem Electro-Clash-Derivat vermengt wird, das sich wohl gerne als neuzeitlich aktualisierte Interpretation von Human League zu verstehen scheint. Die Songs versuchen sich sowohl in industriellen Noise-Arien wie „Interlace“ als auch in den ganz großen Popgesten („All Of This“, „Boudica“), gewinnen dabei aber nicht immer auf ganzer Linie und könnten manchmal etwas wenger Mt Sims und etwas mehr Leila vertragen. SD

(aus Groove No. 134)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s