Kim Brown – „Somewhere Else It’s Going To Be Good“ (Just Another Beat)

kimbrown

Kim Brown besteht aus De:Bug-Autor Ji-Hun Kim und Julian Braun und die beiden Berliner haben nicht nur einen ziemlich coolen Projektnamen, der aus allen Poren nach afro-amerikanischer Deep House Geschichtsstunde riecht, sondern mit ihren bisher erst zwei EPs auch schon für gehörig Aufmerksamkeit gesorgt. Dachte man gerade noch, im Bereich Nu Disco und Deep House wäre bereits alles gesagt, kamen wie aus dem Nichts Kim Browns entspannte und zugleich epische Tracks wie „Camera Moves“ um die Ecke, die ihre Euphorie nicht aus flüchtiger Effekthascherei sondern lang aufgebauten Spannungsbögen und ornamentaler Streicherromantik beziehen und dabei in ihren Sounds doch so authentisch und roh sind, dass man meint, mit jedem ihrer Tracks einen alten Freund wieder zu treffen. Hier werden Sehnsüchte erfüllt, von denen man nicht mal wusste, dass man sie hatte. Wo der Waschzettel auf Detroit und Chicago verweist, gehört aber vor allem auch noch New York und nicht zuletzt die Environ’sche Nu Disco-Blase mit rein, als Referenz zum Festhalten und als hoch angesetzter Maßstab den Kim Brown hier locker und lässig übertrumpfen. Und das gelingt mit noch subtileren und trotzdem athmosphärisch dichten Synths und Streichern, noch roheren und doch knackigen Claps, noch originaleren Beats und Basslines und sowieso noch mehr Sex Appeal. Überhaupt, Somewhere Else It’s Going To Be Good erweist sich mit jedem Hören mehr als bestes House-Album seit einer gefühlten Dekade. Der slicke und zugleich doch raue Sound erklärt sich vielleicht durch das Tape-Recording, dessen Ergebnisse anschließend durch diverse analoge und digitale Schaltkreise gejagt wurden, was eine subtile Retro-Patina erzeugt, die nicht nervt sondern einem mit breiten Lächeln in die Arme schließt. Und wenn dann noch so entspannt zischelnde, Piano-schwangere Sonnenaufgangs-Perlen wie „I House You But I’ve Chosen Love“ um die Ecke kommen, sollten auch beim letzten alle Zweifel beseitigt und der Glaube an House Musik und daran, dass am Ende vielleicht doch noch alles gut wird, wiederhergestellt sein. Kim Brown haben mit ihren erst zwei 12″es und diesem Debüt-Album schon mehr Herzen berührt und Geschichte geschrieben, als das Gros aller Deep- und Slow House-Protagonisten der letzten Jahre zusammen, und das sollte belohnt werden, finde ich. SD

(aus Groove No. 145)

Advertisements