DJ Koze – „Reincarnations Part 2“ (Pampa)

DJKOZE_reincarnations2 cover

Gerade erst letztes Jahr hatte Koze noch mit seinem vor Kollaborationen strotzenden Amygdala Album für Begeisterungsstürme und vordere Plätze in den Jahresbestlisten gesorgt. Pop schwang hier immer mit, auch wenn es nicht ganz „raus aus dem geschmäcklerischen poptheoretischen Diskurs, rein in die Mittvierziger-Frauen-Szene“ ging, wie Koze treffend bemerkte (angesprochen auf einen Album Review in der Brigitte). Trotzdem: Stefan Kozalla ist ein Meister darin, an der Grenze zu Pop herumzulavieren, dabei aber die Spanung und die Lust daran zu halten, indem er eben nicht die offensichtlichsten Türen einrennt, sondern immer hier und da mal einen überraschenden Umweg einschiebt. Und genau dieses Talent kommt bei seinen Remixes ganz besonders zum Tragen, hatten diese ja schon häufiger die Gabe, sich zur populäreren Variante des Originals zu entwickeln, denkt man da z.B. an das 2005er „I Think About You“ von Heiko Voss, das sich im Koze Mix erst als die Hymne entfaltet, die es schon immer sein wollte. Kennt man, und war auch nicht zu Unrecht einer der Abräumer der ersten Reincarnations-Ausgabe in 2009. Daß eine Brise Kosi-Zauberstaub auch in den letzten Jahren manchmal wahre Wunder bewirkte, zeigt Reincarnations Part 2 ganz hervorragend, und versammelt die wichtigsten Remixes seit dem noch auf Get Physical erschienenen Vorgänger. Bei der Auswahl des Ausgangsmaterials findet sich seltener klassisches Clubmaterial. Vielmehr reicht die Bandbreite der Ursprungswerke von poppigen Post-Dubstep-Derivaten Marke Mount Kimibie (klar: „Made To Stray“) über Lagerfeuerfolk von Zwanie Jonson (großartig: „Golden Song“) oder Soap Skin bishin zu Pop-verwandtem von Gonzales oder Who Made Who. Und natürlich dürfen auch die grandios seelenvollen Remixe für Herbert nicht fehlen („It’s Only“, „You Saw It All“). Und überhaupt Matthew Herbert: die beiden scheinen sich auf unheimliche Art gegenseitig zu befruchten und in Kombination, die Schokoladenseiten des jeweils Anderen herauszuarbeiten, wie z.B. auch Herberts großartiger Remix von Koze’s „Magical Boy“ untermauerte, auch wenn der hier leider nichts zu suchen hat. Außerdem hier noch mit dabei: Moderat, Apparat, Caribou, Ada und Super Flu. Man könnte also nicht behaupten, daß die Songs vorher nicht schon auf ihre Art gestrahlt hätten. Und trotzdem: Kozes ganz spezielle Kombination aus subtiler Glückseeligkeit und sanftem Hüftschwung haucht hier allem neues Leben ein und entkernt dabei die Melodien auf das Wesentliche, um immer dann die Biege zu machen, wenn der Track Gefahr läuft, zu dick aufzutragen, um langfristig Bestand zu haben. Vielleicht hat Koze im GROOVE Interview (#141) sein Geheimrezept selbst am besten erklärt: „Eigentlich habe ich Angst vor Pathos, aber auch vor nichtssagender, cooler Musik.“ Genau, die Mischung machts. SD

(aus Groove No. 151)

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