Biblo – „Absence“ (c.sides)

biblo-0004007091_10

Biblo ist nicht Bibio, auch wenn dem ein oder anderen dieser verzeihliche Verleser unterlaufen mag. Spätestens beim Hören sollten jede Zweifel ausgeräumt sein, handelt es sich bei Biblo und den Vocal-durchsetzten Drones auf ihrem Album Absence doch um eine Angelegenheit, die über den Unterhaltungsanspruch von Musik hinausgeht. Pinar Üzeltüzenci, wie Biblo eigentlich heißt, wohnt und lebt in Istanbul, und ihr nunmehr drittes Album ist in den Zeiten der Gezi-Proteste entstanden, als Reflektion zu den politischen Auseinandersetzungen im Zuge der Unruhen und vor allem auch, zur Zerrissenheit der türkischen Gesellschaft allgemein. Keine leichte Kost, und dementsprechend ist Absence auch ein Werk, was sich nicht so einfach erschließt. Titel wie „Doom Machine“ und Wall of Fear“ sprechen eine eindeutige, manchmal vielleicht etwas unnötig plakative Sprache und finden in einer subtilen, kraftvollen Energetik Entsprechung, die sich durch leise Drones, industrielle Sounds und verhallte Rhythmik Gehör verschaft. Viel Echo und vor allem Biblos Stimme, mal mit mal ohne Verfremdung sind hier die Mittel, mit denen eine isolationistische Sound-Erfahrung generiert wird, die sich irgendwo zwischen Seefeel, Burial, einer Brise Dead Can Dance und vor allem Monolake einsortiert. Ähnlich wie bei Robert Henke ahnt man hier auch, daß die Musik vor allem für ein entsprechendes Ambiente und Live-Setting gebaut ist, das zu Hause nicht immer einfach reproduzierbar ist. Deswegen: je mehr man sich schon vom Hör-Kontext auf so ein Album einläßt, um so mehr gibt es auch etwas zurück. SD

(aus Groove No. 152)

Advertisements