Tudor Acid – „Chronial“ (Tudor Beats)

Richard Wigglesworth bezieht sich sowohl mit seinem Label als auch seinem Alias auf die Tudor Ära Englands, aber scheint sich dann doch viel mehr in eine wesentlich jüngere Epoche verliebt zu haben: die frühen und mittleren 90er Jahre, und hier ganz besonders den Bleep-igen Elektronika-Sound mit dem im Dunstkreis von Warp eine Unmenge Acts – von Aphex Twin über Black Dog bis zu Mike Paradinas – zu Ruhm und Ehr gekommen sind. Mit der Tudor Ära hat dies wohl höchstens einen latenten (Technologie-)Optimismus gemein. Auf Chronial reproduziert er genau jenen verspielten, experimentierfreudigen und immer auch sehr melodieverliebten Sound und ist dabei sowohl in den Sounds als auch den Arrangements so nah dran an seinen Vorbildern wie nur möglich. Am Besten gelingt das, wenn er, wie bei „UL404“, den Tracks viel Luft zum Atmen und zur Repetition gibt und sich nicht in zu vielen verschiedenen Ideen verliert, sondern eine konsequent zu Ende führt. Das Album hat in seiner Elektronika-Nostalgie zwar den retrofuturistischen Charme einer Folge Raumpatrouille Orion, aber zeigt dabei auch gelegentlich auf die Schönheit im Unfertigen und in der Romantik des Nachweinens vergangener und nichteingelöster Technologieversprechungen. SD

(aus Groove No. 154)

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