Bachar Mar-Khalifé – „Ya Balad“ (Infiné)

Bachar Mar-Khalifé ging es schon immer nicht nur um Musik, sondern eben auch um Botschaften, und zwar wesentlich direkter und unmittelbarer, als bei seinem Bruder Rami Khalifé, preisgekrönter Komponist und Pianist, unter anderem bei Aufgang. Die Auseinandersetzung mit Libanon, der wechselhaften Geschichte seiner Heimat, stand auch schon bei seinem Debüt „Oil Slick“ im Mittelpunkt, und findet hier nun eine Fortsetzung. Nachdem aber bisher die politische Situation ganz direkt im Zentrum stand, besingen die Songs von Ya Balad nun vor allem die gemeinsame Geschichte und Traditionen eines Landes, das von verschiedenen politischen und religiösen Lagern zerrissen ist. Der von Khalifés arabischen Vocals getragenen Musik scheint das gut zu tun und einen stärkeren Halt und Fokus zu geben: waren die Songs von „Oil Slick“ manchmal noch zu mäandernd und überfrachtet, besinnt sich Ya Balad stärker auf wenige Gestaltungselemente und musikalische Themen und entfaltet dadurch eine wesentlich größere Intension und Eindringlichkeit. Folkloristische Elemente sind hier nicht nur oberflächliche Gestaltungselemente, sondern tragende Pfeiler, die sowohl die Musik als auch die Inhalte schultern. Khalifé hat neben all der Narration auch Mut zu Reduktion und Repetition und das hilft ungemein, musikalisch als auch inhaltlich. Musik mit Botschaft ist vor allem im elektronischen Bereich ja naturgemäß eine seltene Kombination und eine Geschichte voller Missverständnisse, was eigentlich bedauerlich ist, wenn man in Betracht zieht, wieviele Akteure durchaus dezidiert politische Standpunkte und Meinungen vertreten. Khalifé gelingt hier auf jeden Fall besser denn je, beides zusammenzuführen. SD

(aus Groove No. 156)

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