Ólafur Arnalds & Nils Frahm – „Collaborative Works“ (Erased Tapes)

Nach gemeinsamen EPs, Gigs und einer allgemein nicht zu übersehenden Geistesverwandtschaft, war es im Grunde überfällig, daß die Herren Arnalds und Frahm mit einem gemeinsamen Album rumkommen. Und dann gab es da ja auch noch „Trance Frendz“, das virale Web-Video einer gemeinschaftlichen Jam Session in Nils‘ Berliner Wohnzimmer (bzw. Studio), das bereits für viel Aufmerksamkeit sorgte, nicht zuletzt durch die dabei entstandenen neuen Stücke zwischen Kammermusik und wohlig wallenden Streicherteppichen.
So persönlich wie die Beziehung, die viele Hörer mit der intimen Musik von Frahm und Arnalds eingehen, so viel persönlicher noch scheint das Band, was die beiden freundschaftlich und musikalisch zu vereinen scheint. Wer gemeinsame Jams der beiden gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Wer nicht, dem sei dringend ein Gig der beiden empfohlen, einzeln oder im Doppelpack. Selbst Dutzend mal gehörte Songs hinterlassen hier jedes Mal aufs neue feuchte Augen, entrückte Gesichter und einen wiedererstarkten Glauben an die Kraft von Musik. Das mag nach Plattitüden klingen, vor allem in Anbetracht der Massen, die die beiden inzwischen bewegen, aber hat sich seit ihren ersten EPs vor knapp zehn Jahren im Grunde nie verändert.
Eine ihrer Stärken ist ihr Improvisationstalent, das gepaart mit dem Eigenleben ihres analogen Tasteninstrumentariums jede Interpretation der Songs aufs Neue spannend macht. Auf der ersten CD der Collaborative Works – mit den Songs von „Stare“, „Life Story Love And Glory“, „Loon“ – offenbart sich eine dann doch überraschende Bandbreite aus elegisch warmem Ambient, Kammermusikalischem und gelegentlich aufflackerndem Proto-Trance, bei dem plockernde Bassdrums im Grunde aber nur als schüchterner Taktgeber die Richtung für warme und authentisch leiernde Synth-Teppiche vorgeben.
Bemerkenswert aber vor allem die acht neuen Stücke der „Trance Frendz“-Jam Session auf CD2, die eindrucksvoll belegen, daß hier zwei designierte Brüder im Geiste interagieren. Was für eine andere Erklärung könnte es sonst geben, daß ihnen ergreifende Synthesizer Epen wie „23:52“ mal eben so zuzufliegen scheinen? Die Songs funktionieren gewissermassen als Chronik des Abends im Frahmschen Wohnzimmerstudio, wobei neben den noch nachhallenden Bildern des Films auch die auf die Uhrzeit verweisenden Tracktitel dazu beitragen, dass man sich hier unmittelbar als Teil des Ganzen fühlt. Schade nur, dass nach den Piano-Tupfern um „03:06“ Uhr offenbar Schlafenszeit war, und man so nicht noch gemeinsam mit den beiden den Sonnenaufgang genießen kann. SD

(aus Groove No. 157)

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