Rival Consoles – „Howl“ (Erased Tapes)

Rival Consoles aka Ryan Lee West hat mit seinen synthetischen Elektronika-Eskapaden überraschenderweise die Label-Identität von Erased Tapes wesentlich stärker mitgeformt, als dies das inzwischen stark vom Erfolg der Neo-Folker und Kammermusiker um Frahms, Broderick und Co geprägte Image von ET vermuten ließe. Als Inspirationsquelle für die Label-Gründung und erstes Label-Signing hat West nicht nur seine zwei Alben, sondern überhaupt alle seine Releases auf Erased Tapes veröffentlicht. Symptomatisch für sein Instrumentarium aus Synths und Gitarrenpedalen, schafft es sein Sound, zeitgleich Rave-, Indie- und Ambient-Elemente stattfinden zu lassen und ist in diesem Punkt vielleicht Acts wie Apparat/Moderat am Nächsten. Auf seinem dritten Album arbeitet Ryan Lee West über insgesamt neun Tracks eine wahnsinnig tolle Elektronika-Variante aus, bei der immer auch ein Stück eskapistischer Rave-Wahnsinn mitschwingt, der sich aber unter stolpernd Post-Dubsteppigen Beats und warmen und gelegentlich in bester Boards Of Canada-Manier leiernden Synths versteckt. Eingerahmt wird das Ganze von zwei verträumt entschleunigtem Elektronika-Trance-Tracks („Howl“, „Looming“), die vor allem im zweiten Fall ungemein an eine zeitlupenartig ausgedehnte Version von „The Sky Is Pink“ klingen, aber stets mehr ein „Afterglow“ von Rave-Eskapaden sind, als wirklich ernsthaft auf den Dancefloor zu schielen. „Afterglow“ ist übrigens auch der Titel eines der Ausnahme-Tracks des Albums, der mit energetisch pulsierenden Beats und bedeutungsschwangeren Orgel-Sounds enorm viel Drama und Wucht vermittelt. Und was man West hier am meisten anrechnen muss: Howl ist bei all dem auch eines der schlüssigsten Elektronika-Alben seit Langem. Meilenstein. SD

(aus Groove No. 157)

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