Moderat – „III“ (Monkeytown)

Moderat haben mit ihren beiden ersten Alben die Herzen im Sturm erobert, was für mich vor allem auch daran lag, dass von Anfang an genau die einzigartige Symbiose dabei heraus kam, die einem die Kombination aus Apparats Experimentierfreude und elegischen Vocals und Modeselektors Rave-Eskapismus verprach. Für all jene, die ihr Herz sowohl an Club-Eskapismus als auch kammermusikalische Dramen und minimalen Noise verloren haben, formte Moderat genau die passende Schnittmenge und füllten mit ihrem beherzt bühnentauglichem Popentwurf eine Lücke, mit der sie sowohl die eingefleischten Fans der Herren Ring bzw. Bronsert/Szary sofort auf ihrer Seite hatten, als auch ganz neue Ohren erreichten. Der Titel des neuen Albums deutet es an – III macht genau da weiter, wo II leider schon viel zu früh zu Ende war: große Gefühle, tolle Popsongs, vorgetragen mit viel Bass, Rave-Appeal und keiner falschen Scham vor der großen Geste. Noch einen Tick ausgereifter als bei den Vorgängern, finden sich hier grossartige Popsongs in einem Dubstep/Bassmusik-Gewand, über dem Apparats stetig reifendes Stimmwerk ergreifend schmachtet. Songs wie „The Fool“ und vor allem die Gänsehaut-Rave-Hymne „Running“ scheuen sich nicht, aus dem Vollen zu schöpfen und zaubern einem mit ihrer unverhohlenen Gefühlsduselei mehr als einmal ein breites Grinsen ins Gesicht. Und machen nicht zuletzt bereits große Vorfreude auf die kommende Tour der drei. Jetzt schon eines der ersten Highlights für 2016. SD

(aus Groove No. 159)

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