Bibio – „Mineral Love“ (Warp)

Im Grunde ist Bibios neues Album mehr als überfällig, zumindest wenn man den Release-Rhythmus der letzten Jahre extrapoliert, nach dem nie mehr als zwei Jahre zwischen zwei Bibio-Alben lagen. Auf das 2013-er Album “Silver Wilkinson” folgt nun Mineral Love, ein Werk das mehr denn je von Wilkinsons Einflüssen und Inspirationsquellen lebt, ohne dabei auf Samples zurückgreifen zu müssen. Auf diese Art verarbeitet Bibio Einflüsse von 60er und 70er Folk und Surf Pop, an Fleetwood Mac erinnernde Popdramen bis hin zu Garage House („With The Thought Of Us“), Testosteron-geschwängerten Lionel Ritchie-Schmonzetten („Why So Serious?“) oder schmachtende Balladen („Light Up The Sky“), die wohl so heute auch von Quincy Jones kommen würden. Und dass diese Bandbreite nicht einmal in irgendeiner Form aufzufallen oder ins Auge zu stechen scheint; dass hier kein Song aus der Rolle fällt sondern man einfach das Gefühl hat, einer persönlichen und nostalgischen Zusammenstellung gut sortierter und in sich ruhender Lieblingsmusik zu lauschen, das ist das Kunststück das Bibio hier vollbringt. Wilkinson rekreirt auf nostalgisch verträumte Art Musik und folgt dabei keinem dokumentarisch analytischen Ansatz, sondern eher der subjektiven Reflektion authentischer Stimmungen und Vibes. Und das Resultat kann man wohl vor allem auch als eine verklärt schwelgende Ode an Musik im Allgemeinen verstehen. Auch wenn bei Nostalgie natürlich immer auch etwas Wehmütiges mitschwingt, bringt Wilkinson es recht treffend auf den Punkt: „I want sadness to have bittersweet hope.“ Und das hört man auf Mineral Love. SD

(aus Groove No. 160)

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